Forschungsförderung durch die BExMed
2007 konnten 2 Projekte mit je 1500 Euro durch die Deutsche Gesellschaft für Berg- und Expeditionsmedizin gefördert werden. Der „Einfluss eines Handbuches über Höhenmedizin während einer Himalaya-Expedition auf 7134 m auf das Verhalten von Sherpas, Trägern und Touristen“ von Saskia Steinmann, München konnte so gefördert werden. Speziell die oft des Lesens und Schreibens nicht mächtigen Träger sollten anhand von Comiczeichnungen geschult werden, Symptome der akuten Höhenkrankheit zu erkennen. Zumindest für Touristen konnte gezeigt werden, dass Wissen über die akute Höhenkrankheit deren Inzidenz vermindert. Ob dies auch für die Träger und Sherpas zutrifft wollte Frau Steinmann untersuchen.
Für das zweite Forschungsvorhaben „Früherkennung der akuten Höhenkrankheit mit Bioimpedanzanalyse“ von Peter Saile, Halle und Christoph Eismann, Halle liegt nun ein Zwischenbericht vor.
Früherkennung der akuten Höhenkrankheit mit Bioimpedanzanalyse
Ch. Eismann (2), W. Schuette (2), N. Brimkulov (3), D. Vinnikov (3), P. Saile (1)
- (1) Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
- (2) KH Martha-Maria, Halle
- (3) Bischkek, Kirgistan
Ziel:
Die akute Höhenkrankheit (AMS) ist charakterisiert durch Veränderungen
im Flüssigkeitshaushalt des Organismus. Die Bioelektrische Impedanzanalyse
(BIA) ist eine klinisch angewandte Untersuchungsmethode zur Messung
der Nutrition und Hydratation des Körpers. Ziel ist die Prüfung der
Möglichkeit der Früherkennung von AMS durch die BIA.
Methoden:
Bisher wurden unter anderen 32 gesunde Bergsteiger am Pik Lenin (7184m)
und 40 am Elbrus (5633m) sowie 160 Minenarbeiter einer kirgisischen
Goldmine als freiwillige Probanden untersucht. Die Bergsteiger wurden
während mehrerer Bergexpeditionen ohne Provokation der Höhenkrankheit,
d.h. mit üblichem Aufstiegsprofil im üblichen Zeitrahmen untersucht.
Die Untersuchungen fanden in der Regel täglich,
meist morgens nach dem Aufstehen in nüchternem Zustand und teilweise
auch abends nach einer dreistündigen Ruhepause ohne Nahrungs- und
Flüssigkeitsaufnahme statt. Sie umfaßten einen klinischen Status mit
Blutdruck- und Pulsmessung in Ruhe und nach Belastung (30 Liegestütze),
je nach Verfügbarkeit der Geräte die Bestimmung des Körpergewichtes
sowie eine Pulsoximetrie, und als Hauptuntersuchung die Messung der
Bioelektrischen Impedanz über Klebeelektroden an Hand und Fuß.
Im März 2008 fand eine sehr kurzfristig organisierte Messreihe über
4 Tage in der Hypoxiekammer im Hypoxiezentrum Herrmann Buhl in Bad
Reichenhall mit 8 Probanden in einer Höhe bis zu 5500m statt. Hier
wurde in zwei Meßdurchgängen versucht, die Abstände zwischen den Untersuchungen
zu reduzieren, um einen besseren Überblick über die Dynamik des Gesamtkörperwassers
(TBW) zu erhalten.
Die Objektivierung der Symptome der Höhenkrankheit erfolgte mit dem
Lake-Louise-Score.
Eine Genehmigung durch die Ethikkommission liegt vor.
Ergebnisse:
Die Analyse der Untersuchungen unter Expeditionsbedingungen zeigt,
daß Personen, die an akuter Höhenkrankheit litten, hochsignifikant
mehr Flüssigkeit einlagerten als gesunde. In einer Probandengruppe
am Pik Lenin ergab sich bei Teilnehmern, die im Lager 3 auf 6100m
an AMS erkrankten ein signifikanter Anstieg des TBW bereits am Tag
zuvor.
Während der Expedition zum Pik Lenin erlitten 2 Teilnehmer ein Lungenödem.
Hier ließ sich ebenfalls ein deutlicher TBW-Anstieg erkennen. Die
Ergebnisse aus der Hypoxiekammer wurden aufgrund der geringen Teilnehmerzahl
nicht statistisch berechnet.
Wie aus den Abbildungen ersichtlich zeigen sich erhebliche Schwankungen des TBW mit nächtlichem Anstieg. Die Dynamik der AMS- und TBW-Kurven einzelner Teilnehmer mit AMS (Abb. 3-5) verläuft sehr ähnlich. Es läßt sich hiermit vermuten, daß mit Hilfe der BIA das Entstehen von AMS im Vorfeld erkannt werden kann. Für den endgültigen Nachweis bedarf es einer weiteren Meßreihe in einer Hypoxiekammer mit einem größeren Probandenkollektiv und geänderter Versuchsanordnung für noch engmaschigere BIA-Intervalle. Die Meßreihe ist bereits in Vorbereitung.
| 1.Meßreihe | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | |
| Uhrzeit | 23.00 | 3.00 | 6.00 | 12.00 | 18.00 | 22.00 | 1.00 | 4.00 | 7.00 | |
| Höhe (m) | 2000 |
3850 | 3850 | 4550 | 4700 | 4700 | 4350 | 4350 | 4350 | |
| 2.Meßreihe | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 |
| Uhrzeit | 13.00 | 18.30 | 22.30 | 7.30 | 13.00 | 18.30 | 22.30 | 1.00 | 4.00 | 7.00 |
| Höhe (m) | 2000 | 3650 | 4000 | 4300 | 4900 | 5500 | 5500 | 5000 | 5000 | 5000 |
Abb. 1, Dynamik für alle Teilnehmer Meßreihe 1
Abb. 2, Dynamik für alle Teilnehmer Meßreihe 2
Abb. 3
Abb. 4
Abb. 5

PROJEKTE
BExMed | Deutsche Gesellschaft für Berg- und Expeditionsmedizin e.V.