Medizinische Aspekte bei Trekking und Expeditionen

Risiko und gesundheitlicher Verlauf beim Höhenbergsteigen

Beim Trekking beträgt der Anteil an gesundheitlichen Zwischenfällen etwa 0,1%. Die Todesfallrate ist mit 0,01% relativ gering (15 Fälle auf 100 000 Personen), wobei tödliche Unfälle viermal häufiger vorkommen als Höhenkomplikationen. Das Risiko auf Expeditionen ist deutlich höher: ein Viertel der Teilnehmer erleiden Gesundheitsstörungen. Die Todesrate beträgt etwa 2-3 % und ist damit zweihundertmal größer als beim Trekking. Verantwortlich dafür sind v.a. Unfälle wie Lawinenverschüttung, Absturz, Spaltensturz oder Unterkühlung, die zusammen neunmal häufiger auftreten als reine Höhenerkrankungen wie Lungen- oder Hirnödem.

Der höhenbedingte Sauerstoffmangel ist sicher zu einem großen Teil indirekt an den genannten Unfällen schuld, da er die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit je nach Höhe und Akklimatisationszustand deutlich beeinträchtigen kann, z.B. durch verminderte Beurteilungs- und Reaktionsfähigkeit in Gefahrensituationen. Die Sauerstoffversorgung des Gehirns ist in extremer Höhe und bei ungenügender Anpassung durch verminderte Durchblutung teilweise eingeschränkt, weshalb es oft zu folgenschwerem Fehlverhalten des Betroffenen kommt. Auch wurden bei extremen Höhenbergsteigern deutliche, zum Teil länger anhaltende Kurzzeit-Gedächtnisstörungen festgestellt. Zum Glück sind jedoch noch keine irreversiblen Langzeitschäden, z.B. im Sinne von vorzeitigem geistigen Abbau bekannt geworden. Durch den heutigen Trend, auch höchste Gipfel im reinen Alpinstil zu besteigen wird es wahrscheinlich zu weiteren, durch Sauerstoffmangel bedingten Unfällen in der Höhe kommen, meist in Verbindung mit geringem Tempo, Erschöpfung nach Biwaks oder beim Abstieg sowie zu langer Verweildauer in großer Höhe. Auch aus diesen Gründen ist vor entsprechenden Touren eine intensive Beschäftigung mit der Höhenmedizin notwendig. Wichtig ist auch, daß man bei Trekkingtouren und Expeditionen einen typischen gesundheitlichen Verlauf beobachten kann: Wenn Probleme auftreten, dann sind es zuerst meist Magendarm-Beschwerden durch die Kost- und Klimaumstellung in fremden Ländern. Nach anfänglichen Akklimatisationsproblemen in der Höhe folgen während der Tour oft Erkältungskrankheiten (wie verstopfte Nase) und zuletzt meist ein unangenehmer Reizhusten durch die verstärkte Atmung in der kalten, trockenen Höhenluft. Oft zeigt sich am Ende einer Expedition, daß durch Anstrengungen und Höhe sowie wahrscheinlich auch durch (zu) einseitige Verpflegung die Abwehrkräfte allgemein abnehmen. Neben Wundheilungsstörungen kann es daher nach banalen Hautverletzungen auch leichter zu Infektionen des umliegenden Gewebes mit Eiterbildung kommen. Ansonsten ist auch das allgemeine Krankheitsrisiko erhöht mit Problemen wie Bronchitis, Lungenentzündung, Hämorrhoidenbeschwerden sowie Bakterien- oder Parasiteninfektionen.

Vorbereitungen zu Hause

Ältere und völlig Untrainierte sollten für Trekkingtouren vorsorglich ihren Gesundheitszustand ärztlich überprüfen lassen, in speziellen Fällen mit Hilfe eines Belastungs-EKG's. Es existieren noch keine allgemein gesicherten und verfügbaren Untersuchungsmethoden, um die individuell sehr unterschiedliche Reaktion auf große Höhen feststellen zu können. So lassen nur frühere schwere höhenbedingte Störungen oder Lungenödeme Hinweise auf die Höhentauglichkeit zu, sofern diese nicht auf ein selbstverschuldetes Fehlverhalten durch zu schnellen Aufstieg zurückzuführen waren. Auch gibt es kein spezielles vorbereitendes Höhentraining. Trotzdem ist natürlich ein guter Ausdauertrainingszustand wichtig, zumal die Leistungsfähigkeit auch nach erfolgter Akklimatisation pro 1500 Höhenmeter um etwa 10 % sinkt. Empfehlenswert sind auf alle Fälle längerfristige Ausdauerbelastungen, z.B. Joggen, Radfahren oder Skilanglauf sowie Bergläufe, die kurzfristig einen umfassenden Sauerstoffmangel im Organismus hervorrufen. Dadurch soll es neben einer Konditionssteigerung auch zu einer Verbesserung der Sauerstoffübertragungssysteme kommen. Kurz vor der Abreise sollte jedoch kein sehr intensives oder verletzungsanfälliges Training mehr absolviert werden. Vor der Reise sind v.a. bei Durchreise oder Aufenthalt in (sub-) tropischen Gebieten Erkundigungen bei spezialisierten Ärzten oder Tropeninstituten zu empfehlen (z.B. Impfungen gegen Typhus, Cholera oder eine Malariaprophylaxe). In jedem Fall sollte eine Schutzimpfung gegen Wundstarrkrampf (Tetanus) und Kinderlähmung (Polio) vorhanden sein - liegen diese länger als 10 Jahre zurück, ist eine Auffrischimpfung beim Hausarzt notwendig. Früher wurde vor der Abreise oft eine Gammaglobulin-Impfung gegen Hepatitis A und zur Stärkung des allgemeinen Abwehrsystems gegeben, heute empfiehlt sich jedoch für Reisende ein aktiver Impfstoff, dessen Wirkung einige Jahre anhält. Natürlich müssen auch regelmäßig benötigte Medikamente in genügender Menge mitgenommen werden! Genau so wichtig ist es, rechtzeitig den Zahnarzt aufzusuchen, um seine Zähne kontrollieren und gegebenenfalls behandeln zu lassen. Zahnprobleme gibt es in größeren Höhen durch die Temperatur- und v.a. Luftdruckunterschiede immer wieder, z.B. durch das Herausbrechen von Füllungen und Inlets oder durch akute Entzündungen. Frauen, die die Antibaby-Pille nehmen, haben bei Trekkingtouren keine vergrößerte Thrombosegefahr und brauchen deshalb die Tabletteneinnahme nicht zu unterbrechen - bei Expeditionen in größere Höhen dürfte jedoch das Risiko ansteigen. Bei entsprechender Vorbereitung und Vorsicht können auch Kinder ab etwa zehn Jahren ohne größere Probleme oder Risiken auf Trekkingtouren mitgenommen werden.

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