Temperaturschäden - Kälteschäden im Gebirge

Unterkühlung und Erste Hilfe speziell bei Lawinenunfällen

Immer Lebensgefahr!

Ein hoher Prozentsatz der Verschütteten ist sofort tot (ca. 20%). Rasch sinkende Überlebenschancen (bei 1 m Verschüttungstiefe nach 1 Stunde nur noch ca. 40%, nach 2 Std. ca. 20 %). Daher unbedingt sofortige Kameradenhilfe!

Neben mechanischen Verletzungen oder Ersticken im Schnee spielt bei Lawinenunglücken die Unterkühlung eine wichtige Rolle, die allerdings erst nach längerer Verschüttungsdauer entsteht. Bei funktionsgerechter Kleidung rechnet man mit einer durchschnittlichen Abnahme der Körpertemperatur von 3°C pro Stunde; d.h. bei einer Verschüttungsdauer unter einer Stunde besteht in der Regel nur eine leichte Unterkühlung, darüber muß jedoch mit mehr oder weniger schweren Schäden gerechnet werden.

Verschüttete, die nach kurzer Zeit bei klarem Bewußtsein ausgegraben werden, bieten in der Regel keine besonderen Probleme. Verletzte, die abtransportiert werden müssen, sollten sofort mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln gegen Kälte isoliert werden, um die gefährlich schnelle Auskühlung außerhalb der Lawine (ca. 6°C pro Stunde) zu verhindern.

Nach dem Ausgraben des Verschütteten (zuerst Freilegen des Kopfes!) müssen die lebenswichtigen Funktionen Atmung, Kreislauf und Gehirn (Bewußtsein und Pupillenreaktion) überprüft werden. Verlegte Atemwege durch Schnee, Erbrochenes oder durch die zurückgefallene Zunge sowie bläuliche Gesichtsfarbe und fehlende Atembewegungen/-geräusche sind Anzeichen einer Erstickung und erfordern sofortige Wiederbelebungsmaßnahmen mit Atemspende und Herzdruckmassage (Cave, nicht mehr aktuell). Bei großer Kälte und starkem Wind sollte man die Kleidung über dem Brustkorb nicht öffnen, sondern die Herzdruckmassage durch Biwaksack und Kleidung hindurch ausführen.

Aktuelle Schnee- und Lawineninformationen des Eidgenössisches Instituts für Schnee- und Lawinenforschung auf externer Seite www.slf.ch weiter lesen »»»

Besonders kritisch ist die Beurteilung von Lawinenopfern, die nach längerer Zeit leblos ausgegraben und geborgen werden. Bei diesen ergibt sich für den Retter zusätzlich die große Schwierigkeit, im Gelände zwischen schwerster allgemeiner Unterkühlung und Tod durch Ersticken zu unterscheiden. Hinweise für Tod können sein: (Bauch-) Muskelsteifigkeit, eisgefüllte Körperhöhlen, zusätzliche Verletzungen bzw. geringe Verschüttungszeit (unter 1 Stunde) oder Körpertemperatur geringer als die Umgebung bzw. unter 15°C. Der Verletzte kann aber auch so schwer unterkühlt sein, daß Atmung und Herzschlag ohne Hilfsmittel nicht mehr festgestellt werden können (Scheintod), aber noch ein Minimalkreislauf existiert, der den durch Kälte erheblich reduzierten Sauerstoffbedarf des Gehirns gerade deckt. Wertvolle Entscheidungshinweise gibt in einem solchen Fall ein elektronisches Trommelfellthermometer, das gut geschützt unter der Körperoberfläche nahe den Gehirnarterien mißt. Trotzdem sollte auch weiterhin der Lehrsatz gelten, daß in Zweifelsfällen der Tod erst nach Wiedererwärmung festgestellt werden darf. Hierzu ein markanter Merkspruch: "No one is dead until he's warm and dead!"

Umgekehrt ist ein kaltes, ganz langsam schlagendes Herz gegen mechanische Reize durch aggressive Herzdruckmassage sehr empfindlich, was eventuell zu einem gefährlichen Kammerflimmern führen kann. Eine Entscheidung, ob Herzdruckmassage oder nicht, ist vor Ort für den Laien wie auch für den Fachmann sehr schwierig. Meine persönliche Empfehlung in diesem Falle: Herzdruckmassage nur dann, wenn sie beherrscht wird und eine möglichst ununterbrochene Fortführung machbar erscheint. Dabei ist eine Frequenz von 30mal pro Minute, d.h. also etwa halbe Herzschlaggeschwindigkeit ausreichend. In jedem Fall ist auch beim Scheintot- Unterkühlten das sofortige Anlegen einer Hibler-Wärmepackung von ausschlaggebender Bedeutung. Am besten ist natürlich ein schnellstmöglicher Hubschraubertransport in eine Klinik mit Intensivstation bzw. Herz-Lungen-Maschine zur Wiedererwärmung bei Kreislaufstillstand.

Maßnahmen:Lebensrettende Sofortmaßnahmen unmittelbar nach Ausgraben des Kopfes (ABC-Wiederbelebung), Schock- und Unterkühlungsbekämpfung.

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