Temperaturschäden - Kälteschäden im Gebirge

Wärmeregulation des Menschen

Der Mensch braucht als Warmblüter eine konstante Körpertemperatur, da die chemischen Umbauprozesse seines Organismus nur in engen Grenzen funktionieren. Von der Stoffwechselenergie fallen ca. 75% als Wärme (d.h. Abfallprodukt) an, der Rest wird in Ruhe hauptsächlich durch die inneren Organe benötigt, bei Arbeit von der Muskulatur.

Zur Wärmeregulation dient hauptsächlich die Haut, v.a. die der Extremitäten, da Arme und Beine eine große Oberfläche und damit eine gute Kühlfunktion haben. Bei Hitze wird durch eine verstärkte Durchblutung der Blutgefäße in diesen Bereichen eine Wärmeabgabe an die Umgebung erzeugt, das rückströmende Blut kühlt dann den Körperkern. Bei Kälte funktioniert das Ganze umgekehrt: durch Engstellung der Blutgefäße in den Extremitäten wird die Durchblutung der Peripherie vermindert (zunehmende Erfrierungsgefahr), damit primär der Körperkern mit seinen lebenswichtigen Organen (Herz, Lunge, Leber, Niere, Gehirn) versorgt wird und warm bleibt. Diese sogenannte "Kreislaufzentralisation" (siehe Abbildung) stellt einen wirksamen Selbstschutz des Organismus zum Überleben dar, eventuell jedoch auf Kosten von Erfrierungen. Übrigens: Beim Schock bzw. Kreislaufzusammenbruch ist genau das Gegenteil der Fall - der Körperkern bekommt durch größeren Blutverlust oder fehlgesteuerte Blutverteilung weniger Blut als er brauchen würde.

Wärmeverluste beim Bergsteigen

Sie werden vor allem hervorgerufen durch Kälte, Nässe und Wind. Die verschiedenen Ursachen im einzelnen sind:

  1. Tiefe Lufttemperatur: Zusätzlich zur Wärmeabstrahlung bis zu 30 % kommt es zu Wärmeverlusten durch den ausgeatmeten Wasserdampf in der Atemluft.
  2. Wind: Normalerweise existiert eine stabile warme Luftschicht als schützende Hülle um den Körper (Prinzip von Daunenjacke oder Faserpelzbekleidung), die jedoch bei Sturm fortgeblasen wird.
  3. Enge oder feuchte Kleidung: Sie führen zu Durchblutungsstörungen bzw. Wärmeverlusten durch Verdunstung von Feuchtigkeit (gleiches Prinzip wie beim Schwitzen).
  4. Erschöpfung: Durch das Aufbrauchen der Energiereserven nimmt die aktive Bewegung ab, und es wird weniger Wärme produziert.
  5. Wassermangel: Durch Bluteindickung kommt es zu langsamerem Sauerstoff-Transport und schlechterer Gewebeversorgung und damit zu erhöhter Erfrierungsgefahr.
  6. Große Höhe: Sauerstoffmangel durch Luftdruckabfall auch im Gewebe begünstigt ebenfalls örtliche Erfrierungen. Dagegen besteht bei Punkt 1-4 hauptsächlich die Gefahr einer allgemeinen Unterkühlung.
  7. Alpine Unfälle: Spaltensturz und Lawinenverschüttung haben neben ihren mechanischen Verletzungsmöglichkeiten bei längerer Exposition ebenfalls ein hohes Risiko von allgemeiner Unterkühlung.

Einfluß von Wind und Kleidung

Der Einfluß des Windes spielt eine sehr wichtige Rolle für den Abfall der Körpertemperatur bzw. für eine Unterkühlung: Der sog. "Wind-Chill-Effekt" kann bereits bei geringen Windgeschwindigkeiten zu einer Verdoppelung des Wärmeverlustes gegenüber Windstille führen, z.B. bei nur 8 km/Stunde und 10 Grad Celsius Außentemperatur. Auch verschiedene Bekleidung hat unterschiedliche Einflüsse: Bei 10 Grad Celsius und 2 Stunden Einwirkzeit kommt es bei Isolation nur mit Baumwolle zu einem Abfall der Körpertemperatur auf 25 Grad Celsius, bei der Kombination von Baumwolle mit einer reflektierenden Alufolie auf 27 Grad Celsius und mit modernen Bekleidungsmaterialien wie z.B. Goretex auf 32 Grad Celsius.

Bei Kleidung und Schuhen hat sich in den letzten Jahren die Ausrüstung für den Bergsteiger entscheidend verbessert. Gerade beim Bergsteigen in der Kälte (Hochtouren, Skitouren, Expeditionen) hat sich moderne Sportunterwäsche aus dem Kunststoffmaterial Polypropylen voll durchgesetzt, da die Feuchtigkeit von der Haut weg nach außen transportiert wird. Faserpelz für die "mittlere Bekleidungsetage" ist ebenfalls leicht, warm, schnelltrocknend, praktisch und bequem zu tragen. Als äußere Schicht sind Goretex- oder ähnliche Materialien mit ihren wind- und wasserdichten Membranen, die ebenfalls bis zu einem gewissen Grad Feuchtigkeit nach außen transportieren, nicht mehr wegzudenken. All diese Materialien haben die Kleidung des Bergsteigers innerhalb von wenigen Jahren revolutioniert und das Risiko von Kälteschäden deutlich gesenkt, da sie zudem auch als Handschuhe, Kopfbedeckung und Fußbekleidung erhältlich sind.

Zu dieser Palette gehören auch die Plastik- (und Goretex-) Bergschuhe mit ihren unempfindlichen Kunststoffmaterialien, die nicht mehr - wie nasse Lederstiefel - gefrieren können. Modernes Isolationsmaterial bei den Innenschuhen, Detailverbesserungen wie elastischere Kunststoffe oder integrierte Gamaschen haben die Erfrierungsgefahr gerade beim Winter- oder Höhenbergsteigen stark herabgesetzt. Trotzdem können auch heute mit bester Ausrüstung immer noch schwere Kälteschäden auftreten, wenn Unkenntnis, Nachlässigkeit oder Fehlentscheidungen vorliegen.

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