INFORMATIONEN
- Einführung und Theorie
- Bergsporttraining
- Trainingsaufbau/-methoden
- Allg. Trainingsgrundsätze
- Trainingsformen bei Bergwandern, Klettern und Skitouren
- Kletter-Leistungstests
- Ernährung beim Bergsteigen
- Kohlenhydrate, Fette, Eiweiße
- Vitamine
- Ernährung vor längeren Belastungen
- Ernährung bei Dauerleistungen
- Flüssigkeits/Mineralienersatz
- Extreme Höhe und Kälte - additive Gefahren
- Akklimatisation
- Bergsteigen mit Herz- und Lungenerkrankungen
- Krankheiten
- Erschöpfung
- Verdauungsprobleme
- Zerrungen und Brüche
- Hitzschlag und Unterkühlung
- Höhenkrankheit
- Höhenhirnödem
- Höhenlungenödem
- Höhenödeme
- Netzhautblutungen
- Sonstige Schäden
- Erste-Hilfe-Set
- Rucksackapotheke
- Erste-Hilfe-Maßnahmen für Bergsteiger
- Weiterführende Literatur
Typische Höhenkrankheiten - Praktische Tipps in der Höhe
Die Zeitverschiebung bei Reisen in ferne Länder sollte bei der Zeitplanung berücksichtigt werden, denn während der Umstellung ist die Leistungsfähigkeit herabgesetzt. Allgemein gilt keine Gewaltakte zu Beginn, besonders dann, wenn größere Ausgangshöhen passiv durch Fahrt oder Flug erreicht werden.
Die Höhenanpassung (= Adaptation) selbst muß langsam und in Stufen erfolgen. Aus Sicherheitsgründen sollten beim anfänglichen Aufstieg über 3000 m die jeweiligen Übernachtungsplätze (= Schlafhöhen) durchschnittlich nicht mehr als 300 - 400 m pro Tag gesteigert werden und möglichst unter der maximalen Tageshöhe liegen (Schlagwort: "Go high, sleep low", d.h. gehe hoch, aber schlafe tief!). Das bedeutet etwa eine Woche Adaptationzeit bis zum ersten Lager über 4500 m und eine weitere Woche bis über 6000 m. Während der Adaptationsphase sollten maximale Belastungen vermieden werden, weil die Anpassung dadurch gestört werden kann. Nach 8 - 10 Tagen Anmarsch oder Trekking mit mittelschwerem Gepäck und Auf- und Abstiegen sollte die Akklimatisation ausreichend sein für Paßübergänge zwischen 5000 m und 6000 m oder zum Schlafen im Basislager. Das Basislager wird in der Regel zwischen 4500 und maximal 5500 m aufgebaut. Die Hochlager sollten zumindest anfänglich nicht zu weit auseinander liegen, und ein Übernachten dort ist erst nach dem zweiten oder dritten Vorstoß sinnvoll. Zwischen den Hochlageraufenthalten sind normalerweise immer wieder Ruhetage im Basislager nötig. Eine einfache und sehr wertvolle Orientierung der Höhenanpassung gibt der Ruhepuls. Der Ausgangswert wird zu Hause am Morgen (vor dem Aufstehen!) gemessen (normal ca. 60 Schläge/Minute). Unterwegs erfolgt zumindest in der Anfangsphase oder bei erneutem Höhengewinn täglich eine Kontrolle; auch sollten die gemessenen Werte aufgeschrieben werden. Eine gute Akklimatisation ist dann erreicht, wenn der morgendliche Puls in der Höhe nur wenig über dem zu Hause gemessenen Normalwert liegt. Ist dagegen der Ruhepuls mehr als 20 - 30 Schläge erhöht, sollte auf keinen Fall weiter aufgestiegen werden!
Ruhepulsverhalten in der Höhe (bei Ankunft in ca. 4500 m): In einer neuen, ungewohnten Höhenlage steigt der Ruhepuls um ca. 20 - 30%, d.h. bei einem angenommenen Ruhepuls von 60 auf 72 - 80 Schläge pro Minute. Nach einigen Tagen pendelt er sich als Ausdruck der erfolgreiche Adaptation an die Höhe wieder um den normalen Wert von zu Hause ein. Nach zwei bis drei Wochen Adaptationszeit sollte eine Gipfelbesteigung optimalerweise zwischen der dritten und der sechsten Woche erfolgen, da danach die physische und psychische Leistungsfähigkeit wieder sinkt. Schlafprobleme mindern diese ebenfalls, daher wurde früher die Einnahme eines leichten Einschlafmittels empfohlen. Allerdings kommt es durch eine gleichzeitige Verlangsamung der Atmung zu einer geringeren Sauerstoffversorgung des Körpers, so daß man besser auf Tabletten verzichten sollte. Höhen über 7000 m werden als "Todeszone" bezeichnet: hier kommt es zu einem schnellen und deutlichen Leistungsabfall mit Müdigkeit und Lethargie, so daß im Notfall auch eine Hilfe durch Kameraden meist nicht mehr möglich ist. Deshalb sollte man sich in hier nur so kurz wie möglich aufhalten und nach dem Gipfel möglichst weit wieder absteigen. Der Erfolg - gemessen an der maximal erreichten Höhe - hängt hauptsächlich vom bergsteigerischen Können sowie von der maximalen Sauerstoffaufnahmefähigkeit ab. Trotzdem ist zusätzlich eine große Ausdauer wichtig und noch mehr eine entsprechende psychische Einstellung, die wahrscheinlich sogar die größte Rolle spielt.
The five golden rules
- Jeder kann höhenkrank werden, aber niemand muß daran sterben
- Jede Gesundheitsstörung ist im Zweifel höhenbedingt
- Nur symptomfrei höher steigen
- Bei Verschlechterung sofortiger Abstieg
- Höhenkranke niemals alleine lassen
Einführung
Welche gibt es, wie entstehen sie, wie kann man sie vermeiden? Höhenmedizin betriftt eigentlich alle Erkrankungen über 2500 m, in Einzelfällen, bei Vorerkrankungen, auch darunter. Es gibt jedoch einige Krankheiten, die nur in der Höhe auftreten, die sogenannten Höhenkrankheiten.
Dazu zählen:
- die akute Höhenkrankheit
- das Höhenhirnödem
- das Höhenlungenödem
- die peripheren Höhenödeme
- Netzhautblutungen
Bevor wir jedoch zu den einzelnen Krankheiten kommen, hier erst noch
ein bißchen Physik, um zu verstehen, warum der Aufenthalt in
der Höhe gefährlich werden kann:
Die Luft besteht immer aus 21% Sauerstoff, 78% Stickstoff und 1 %
restlichen Gasen; diese Zusammensetzung bleibt immer gleich, auch
in großer Höhe. Da jedoch der Luftdruck von 760 mmHg auf Meereshöhe
in einer Höhe von 5000 m nur noch die Hälfte beträgt (etwa 350 mmHg),
ist auch der biologisch verfügbare Sauerstoff entsprechend geringer
(sog. Sauerstoffpartialdruck). Der Sauerstoffpartialdruck in 5000
m Höhe entspricht daher einer Sauerstoffkonzentration von etwa 14%
in Seehöhe. Die Ursache für die Höhenkrankheiten ist daher im wesentlichen
der chronische Sauerstoffmangel bei z. T. fehlender Anpassungsreaktion
der betroffenen Menschen.
Einteilung der Höhenzonen
- 0 - 3000 m mittlere Höhe (Schwellenhöhe liegt bei 2500 m)
- 3000 - 5000 m große Höhe, vollständige Akklimatisation möglich
- 5000 - 7500 m sehr große Höhe, nur unvollständige Anpassung möglich
- über 7500 m Todeszone akuter Kräfteverfall, nur kurzer Aufenthalt möglich

BExMed | Deutsche Gesellschaft für Berg- und Expeditionsmedizin e.V.