Extreme Höhe und Kälte - additive Gefahren

  1. Vorbemerkung
  2. Herz-Kreislauf-System
  3. Atmung
  4. ZNS
  5. Salz- und Wasser-Haushalt
  6. Muskulatur
  7. Hormonhaushalt
  8. Magen-Darm-Trakt

Atmungstrakt

Reaktion auf Kälte

In den zuführenden Luftwegen wird die trockene und kalte Umgebungsluft auf 37 Grad erwärmt und zu 100% mit Wasserdampf abgesättigt. Bei Ruheatmung wird dies bereits in Höhe der Trachealbifurkation erreicht. Bei Anstrengung in großer Kälte unter - 20 Grad, vor allem aber in großer Höhe mit massiver Hyperventilation über mehrere Stunden kommt es zur Auskühlung bis unter die Trachealbifurkation mit Schädigung des respiratorischen Epithels. Ein Kälteschaden der Lunge tritt allerdings niemals ein. Trotz des so entstehenden Temperaturgradienten zu Mund und Nase geht 50 - 60% der Wärme in der Ausatemluft an die Umgebung verloren und der Körperkern kann fortschreitend auskühlen.

Der sog. Höhenhusten ist wahrscheinlich Folge der anhaltenden Schleimhautschädigung. Eine Anstrengungs- und Kälte induzierte Bronchialobstruktion kann zusammen mit Husten und Leistungsminderung schwer von beginnendem HAPE zu unterscheiden sein.

Reaktion auf Hypoxie

Ein wesentlich gesteigertes Atemminutenvolumen (AMV) mit Verdoppelung des Atemäquivalentwertes (AMV/l O2 Aufnahme) ist das Hauptmerkmal der ungestörten Anpassung auf sehr große Höhen. Dies führt allerdings zu einer kompensationsbedürftigen respiratorischen Alkalose und zu einem erheblichen zusätzlichen Wasserverlust über die Ausatemluft von >1/Tag. In extremen Höhen reicht trotz dieser Anpassung der geringe alveolo-arterielle Sauerstoffdruckgradient nicht mehr aus, um das Lungenkapillarblut zeitgerecht aufzusättigen. Die Lungendiffusion wird zunehmen leistungslimitierend.

Jede zusätzliche Belüftungs- oder Perfusionsstörung z.B. zusammen mit großer Kälte muß daher dramatische Folgen haben.

ZNS Zentralnervensystem

Reaktion auf Kälte

Für das Hirnleistungsvermögen gibt es nur einen sehr engen idealen Arbeitstemperaturbereich. Durch anhaltende Kälteexposition mit vermindertem Blutfluß wird auch die Hirnstoffwechselleistung zunehmend gedrosselt.

Selbst hochmotivierte Bergsteiger können bei fortschreitender Hypothermie durch unerwartete Fehlleistungen scheitern. Die Unfallgefahr nimmt auch bei erfahrenen Bergsteigern erheblich zu.

Ursachen sind:

  • Verlangsamtes Denken und Konzentrationsstörungen
  • Gestörtes Urteilsvermögen und Reizbarkeit
  • Realitätsverlust bis hin zu Halluzinationen
  • Ungeschicklichkeit und Koordinationsstörungen
  • Überlebenswille bricht zusammen
  • Bedrohung wird nicht erlebt
  • Paradoxes Verhalten

Reaktion auf Hypoxie

Von allen Körperteilen reagiert das ZNS am empfindlichsten auf Hypoxie. Bergsteiger entwickeln daher bei langdauerndem Aufenthalt oberhalb ca. 6000m sehr oft neuropsychologische Funktionsstörungen. Im Vordergrund stehen Beeinträchtigungen des Gedächtnisses, des Affektverhaltens und vor allem des Urteilsvermögens.

Irrationale Entscheidungen sind das größte Risiko beim Bergsteigen in sehr großer Höhe.
Entwickelt sich zusätzlich ein Höhenhirnödem (HACE) ist der Höhentod unaufhaltbar.
Die Kombination von Kälte und Hypoxie wirkt sich am ZNS besonders gefährlich aus.

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