Deutsche Gesellschaft für Berg- und Expeditionsmedizin e.V.

Allgemeine Unfallhilfe

Mechanische Verletzungen

Wunden: Nicht berühren oder auswaschen, keine Salbe oder Puder! Fremdkörper in der Wunde belassen und evtl. umpolstern, keimfreier Verband, notfalls sauberes Tuch.

Knochenbrüche:
Formabweichung, abnorme Beweglichkeit, im Zweifelsfall (Schwellung, Schmerz, Gebrauchsminderung) wie Bruch behandeln.
+ Bei offenen Brüchen keimfreie Wundauflage. Kein Einrichten, sondern nur grobe Achsenkorrektur unter vorsichtigem Zug, damit die Bruchenden nicht schmerzhaft aneinander reiben. Ruhigstellung durch behelfsmäßige Schienung (Skistöcke, Pickel, Rucksackversteifungen o.ä., am besten aufblasbare Luftkammerschiene) in Mittelstellung unter Einbeziehung der benachbarten Gelenke in der für den Verletzten angenehmsten Lage. Fixierung beidseits des Bruches (nie direkt darüber), Polsterung. Kälteschutz.

Spezielle Brüche:

  • Arm: Dreiecktuch als Armtragetuch verwenden und zusätzlich am Brustkorb fixieren
  • Schlüsselbein: Polster in die Achselhöhle und Rucksackverband zur Entlastung
  • Rippen: Fester Verband um den unteren Rippenrand in Ausatmungsstellung
  • Wirbel: Flache Rückenlage auf harter Unterlage und schonendster Transport, da sonst Gefahr einer Querschnittslähmung
  • Knöchel: Schuhe nicht ausziehen, aber Schnürung lockern

Verrenkung: Gelenkkopf unter Kapselzerreißung aus Pfanne ausgetreten. Gelenk federnd gesperrt, im Vergleich abnorme Kontur.
+ Keine gewaltsamen Einrenkungsversuche (nur nach entsprechender Schulung!), sondern Ruhigstellung in angenehmster Lage und rascher Abtransport in ärztliche Behandlung.

Verstauchung: Gelenküberdehnung mit Kapselverletzung.
+ Feste Bandage mit elastischer Binde, bei Fußgelenk Schuhe nicht ausziehen, aber Schnürung lockern. Auf Hütte: Hochlagern und Kühlung durch feuchtkalte Umschläge bzw. Eis/Schnee.

Bänderzerrung, Bänderriss oder Meniskusverletzung: + wie bei Verstauchung

Quetschungen, Prellungen: + Ruhigstellen. Hochlagern, Kühlung, bei Blutergüssen zusätzlich elastische Binde und Salbe.

Muskelverletzungen: Am häufigsten Zerrung durch Überdehnung, v.a. bei kalten Muskeln.
+ Ruhigstellung durch Kompressionsverband und Kühlung (Schnee, Eis).

Muskelkrampf: + Maximale Durchblutung durch passive Dehnung des betroffenen Muskels erzielen sowie bei Wadenkrampf Fußspitze nach oben drücken, Massage.

Schuhdruckstellen: Vorbeugung durch Hirschtalg, medizinische Fußcreme oder "second skin".
+ Bei Schmerz und leichter Rötung faltenloses Aufkleben von Leukoplaststreifen. Bei bereits bestehender Blase: Desinfektion, Aufstechen mit ausgekochter oder ausgebrannter Nadel, keimfreier, faltenloser Wundverband.

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